Newseintrag vom 11. April 2011
150 Jahre Klosterneuburg
Festschrift 150 Jahre: so lapidar steht es auf der Umschlagseite des Sonderheftes 2010 der Mitteilungen Klosterneuburg )*. Doch so bescheiden dieser Titel auch klingen mag, es ist schon ein Anlass zur Freude, wenn eine Institution wie die (jetzige) „Höhere Bundeslehranstalt und Bundesamt für Wein- und Obstbau Klosterneuburg“ ein derartiges Jubiläum feiern kann. 1860 gegründet und durch 150 Jahre ununterbrochen in Betrieb und für Lehre, Forschung und Beratung in Wein- und Obstbau unterwegs, eine der ersten landwirtschaftlichen Schulen Mitteleuropas und zugleich die älteste ihrer Art in Österreich. Im Jahr 2010 - 150 Jahre nach der Gründung der „Praktischen Schule für Weinbau und Obstzucht“ - gab es mehrere Veranstaltungen, die das Jubeljahr prägen sollten.
Ein hervorragend besuchter Frühlingsball am 16. April in der Babenbergerhalle und die Maturafeier am 18. Juni im neuen Technikum in der Agnesstraße, bei der sowohl die frischgebackenen Absolventinnen und Absolventen (ein „Maturajahrgang mit weißer Fahne“) im Mittelpunkt standen, als auch Absolventinnen und Absolventen die vor mehr als 50 Jahren die Schule abgeschlossen hatten und die ob ihrer beruflichen Leistungen und ihres Eintretens für Klosterneuburg geehrt wurden, bildeten den würdigen Rahmen für die eigentlichen Feiern zum Jubiläum im Oktober.
Am Donnerstag, dem 21. Oktober lud der Herr Bürgermeister der Stadt Klosterneuburg, Mag. Stefan Schmuckenschlager zu einem Empfang in die Aula des Rathauses. Etwa 80 Personen des öffentlichen Lebens der Stadt Klosterneuburgs, des Chorherrnstifts Klosterneuburg und der Politik, Repräsentanten von in- und ausländischen Forschungs- und Lehranstalten, von Universitäten, Ministerien, Behörden und Firmen waren der Einladung gefolgt. Bürgermeister Schmuckenschlager hob die Bedeutung des Lehr- und Forschungszentrums für Wein- und Obstbau im fachlichen und kulturellen Bereich hervor und auch den guten Ruf des Hauses im In- und Ausland, der zum Bekanntheitsgrad der Stadt Klosterneuburg beitrage. Eine Ehrung wurde vom Bürgermeister besonders hervorgehoben: der Gemeinderat der Stadt Klosterneuburg hatte beschlossen, dem LFZ Klosterneuburg für die Renovierungen (Schulgebäude Wiener Straße) und Neubauten (SchülerInnenheim Leopoldstraße und Kompetenzzentrum Agnesstraße) den Stadtbildpreis des Jahres 2010 zu verleihen. Direktor Vogl dankte dem Bürgermeister und der Stadt Klosterneuburg für die ausgezeichnete Zusammenarbeit in Bildungs- und Verwaltungsangelegenheiten, für das Eintreten für die Interessen der Schule und nicht zuletzt für die Anerkennung durch den für öffentliche Einrichtungen eher unüblichen Stadtbildpreis.
Die Festveranstaltung zum Jubiläum fand am nächsten Tag – Freitag 22. Oktober 2010 – statt. Dank der Großzügigkeit des Chorherrnstifts Klosterneuburg konnte diese Feier im Marmorsaal des Stiftes stattfinden. Über 200 Gäste waren der Einladung gefolgt und konnten die Feier in einem wunderschönen Ambiente, musikalisch umrahmt vom Klarinettentrio Schödl und von Schülerinnen und Schülern mit Getränken zur Begrüßung und zum Anstoßen versorgt, erleben. Zur Einstimmung erfolgte die Erstpräsentation eines Videos „unser Wissen trägt Früchte“ )**, einem filmischen Querschnitt durch die Vielfalt im LFZ Klosterneuburg, mit Informationen und Interviews. Direktor Vogl konnte einen repräsentativen Querschnitt von Personen aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft, Bildung, Forschung und Beratung, Partnern, Freunden und Förderern aus dem In- und Ausland sowie SchülerInnen, LehrerInnen und MitarbeiterInnen des LFZ begrüßen.
Mit kurz gefassten Statements gratulierten Repräsentanten aus Organisationen der Schulpartnerschaft. Im Namen des Elternvereines überreichte Obmann Ing. Klager ein für diesen Anlass in Auftrag gegebenes Bild mit Motiven zur Veränderung des Aussehens der Lehranstalt durch die 150 Jahre und stellte die Bedeutung einer fundierten Bildung in den Vordergrund seiner Ausführungen. Der Verband der Klosterneuburger Oenologen und Pomologen stellte sich mit einem Faß mit geschnitztem Boden ein; Präsident ÖkRat Josef Pleil sieht in der Zusammenarbeit zwischen einer gut aufgestellten Schule und einem starken Absolventenverband eine ausgezeichnete Basis für den beruflichen und persönlichen Erfolg von Absolventinnen und Absolventen. Eine Partnerschaft, die über die Schule und deren AbsolventInnen hinausgeht, wurde namens des Europäischen Weinritterordens – die Kooperation zwischen den beiden Institutionen wurde an diesem Tag beurkundet - durch dessen Consul Primus Senatus, Prof. Alfred Tombor-Tintera gewürdigt.
In den Reden weiterer Gratulanten wurde vor allem die Vernetzung und die Einbindung Klosterneuburgs in internationale Kooperationen in Forschung und Lehre hervorgehoben. Stellvertretend für viele Vertreter von Forschungs- und Lehranstalten stellten Präsident Dr. Salamini aus San Michele (Istituto Agrario di San Michele) und Direktor Dr. Schultz aus Geisenheim (Forschungsanstalt für Wein- Obst- und Gartenbau Geisenheim) die Bedeutung persönlicher und fachlicher Kontakte in den Vordergrund. Gemeinsame Entwicklungen und intensiver fachlicher Austausch wären die Grundlage von Erfolgen über staatliche Grenzen hinweg. Frau Professor Hinterstoisser, Vizerektorin der Universität für Bodenkultur, sprach innerhalb der vielfältigen Kooperationen zwischen den beiden Institutionen im Besonderen die gemeinsame Entwicklung des Studienganges Weinbau, Oenologie und Weinwirtschaft an.
Abtprimas Probst Bernhard Backovsky wies in seiner Rede als Hausherr auf die fruchtbringende Zusammenarbeit zwischen Schule und Chorherrenstift von der Gründung weg durch alle Jahre hindurch hin. In Vertretung des Herrn Landeshauptmannes sprach Landeshauptmannstellvertreter Mag. Sobotka mit Bezug auf die zur Zeit intensivierte Bildungsdebatte die Bedeutung der Höheren Lehranstalt für Wein- und Obstbau für die wirtschaftliche Entwicklung in Niederösterreich an und versprach namens des Landes Niederösterreich, sich bei der Entwicklung eines Aufbaulehrganges zur Verbesserung der Durchlässigkeit in Bildungsgängen zu beteiligen. In Vertretung des aufgrund der Budgetklausur verhinderten Herrn Bundesministers würdigte Generalsekretär DDr. Mang in seiner Festrede vor allem die Beständigkeit und Kompetenz Klosterneuburgs und stellte das Klosterneuburger Modell einer engen Verbindung von Forschung und Lehre als beispielgebend und als Grundlage für ein modernes forschungsbasiertes Lernen in den Vordergrund. Seitens des Lebensministeriums seien in den letzten Jahren auch bedeutende Anstrengungen unternommen worden, in Klosterneuburg die Ressourcen für modernen Unterricht und zeitgemäße Forschung zu sichern.
Ein von Schülerinnen und Schülern perfekt gestaltetes Video zu „150 Jahre Lehr- und Forschungsanstalt Klosterneuburg“ bildete den fulminanten Abschluss dieser würdigen Feier. Anschließend wurde zu einem festlichen Mittagessen im Binderstadl geladen. Die Gäste wurden in diesem wundeschönen Raum mit vom Küchenteam des SchülerInnenheimes exquisit zubereiteten Speisen und Getränken verwöhnt, welche von einem SchülerInnenteam flink angeboten und perfekt serviert wurden.
Am Nachmittag des Freitags begann in den Räumen des LFZ Klosterneuburg eine international besetzte Tagung zum Thema Biodiversität und Nachhaltigkeit. Die Tagung wurde am nächsten Tag (23. Oktober 2010) in zwei Arbeitskreisen zu den Themen Erhaltung der Biodiversität im Weinbau und Erhaltung der Biodiversität im Obstbau fortgesetzt. Referenten von 15 Forschungs- und Lehranstalten, darunter sechs Universitäten, aus 11 Ländern Europas diskutierten mit einem internationalen Publikum die Zukunftsfrage Erhaltung der biologischen Vielfalt auf den Spezialgebieten Wein- und Obstbau. Die Tagungsbeiträge werden in den Mitteilungen Klosterneuburg)* veröffentlicht werden.
Eine Verkostung von Weinen und Edelbränden unter dem Generalthema „Vielfalt aus Österreich“ am Freitagabend im Technikum und ein Abschlussabend am Samstag im Speisesaal des SchülerInnenheimes rundeten die Feiern auf der gesellschaftlichen Ebene gut ab und gaben reichlich Gelegenheit zum Gedankenaustausch und zum Aufbau von Kontakten. Viele Personen waren am Gelingen der Feiern beteiligt und ermöglichten eine würdige Präsentation des modernen Lehr- und Forschungszentrums. Ihnen allen gebührt Dank und Anerkennung für ihr Engagement und ihren Einsatz.
K. VOGL
)* Mitteilungen Klosterneuburg, (60) 2010
)** link zur Dokumetation „Unser Wissen trägt Früchte“. Ein filmischer Querschnitt durch die Vielfalt im LFZ Klosterneuburg mit Informationen und Interviews. zurück zur Startseite |