Newseintrag vom 17. September 2007
Bericht vom Symposion "Grüner Veltliner"
Dr. Reinhard EDER, HBLAuBA für Wein- und Obstbau, Wiener Strasse 74, 3400 Klosterneuburg, Reinhard.Eder@hblawo.bmlfuw.gv.at
Auf Initiative des Verbandes der Österreichischen Önologen und Weinforscher (VÖSTÖF, Dr. Reinhard EDER) kooperierte das Regionales Komitee Weinviertel (Mag. Ulli Hager und Herr Roman PFAFFL), der Verband der Klosterneuburger Önologen und Pomologen (Präsident Dipl.-(HLFL) Ing. Josef PLEIL) und der Bezirksweinbauverein Poysdorf (Herr Gerhard WALEK) sowie Mitarbeiter/innen der Landwirtschaftskammer Niederösterreich (Dipl.-Ing. Konrad HACKL) und organisierten gemeinsam diese informative Weiterbildungsveranstaltung. Thema, Ort, Zeit und Vortragende waren augenscheinlich gut gewählt da mehr als 150 Personen, darunter zahlreiche Prominenz aus Praxis, Lehre, Beratung und Forschung, der Einladung folgten und trotz (moderater) Tagungsgebühr in den Reichenstein Hof nach Poysdorf kamen.
Die Moderation der Veranstaltung übernahm abwechselnd HR Dipl.-Ing. K. VOGL, Direktor an der Höheren Bundeslehranstalt und Bundesamt für Wein- und Obstbau, Klosterneuburg sowie Dipl.-Ing. Dr. R. EDER, Institutsleiter an der HBLAuBA Klosterneuburg und Präsident des Österreichischen Önologenverbandes (VÖSTÖF).
Beim ersten Referat von Dr. Ferdinand REGNER (HBLA u. BA Wein- Obstbau, Klosterneuburg) zum Thema „Genetische Variabilität des GV“ kam beinahe kriminalistische Stimmung a la „CSI Klosterneuburg“ auf, als er zeigte wie er mittels genetischer Methoden die Elternschaft der Sorte Grüner Veltliner aufgeklärt hat. Dieser schöne Erfolg beruht einerseits auf seiner ausdauernden Suche und der dabei angewandten hochentwickelten molekularbiologischen Analysentechniken und andererseits auf der Aufmerksamkeit des burgenländischen Winzers Hans MOSER aus St. Georgen, der im letzten Moment die Wissenschaft auf den dahindarbenden vermutlich letzten Rebstock der Vatersorte („Grüner Muskateller) hingewiesen hat.
Als nächster referierte Dr. Reinhard EDER (HBLBA u. BA Wein- Obstbau, Klosterneuburg) über „Das Aroma von Grünen Veltliner - Weinen und seine Beeinflussung“. Der Vortrag war in drei Abschnitte gegliedert, wobei zunächst allgemein die vier verschiedenen Gruppen von Weinaromastoffen vorgestellt wurden. Danach wurde die Ergebnisse der Diplomarbeit von Dipl.-Ing. Andreas SCHREINER vorgestellt, der mit einer sensitiven GC-Methode 176 Aromasubstanzen detektieren und durch Anwendung modernster statistischer Methoden (Neurale Netze u.a.) eine zu 80 % richtige Zuordnung von GV-Weinen zu ihrer Herkunft erreichen konnte. Der Schlussteil war sensorischen Ergebnissen verschieden hergestellter GV-Weine (Standzeit, Hefekontakt) gewidmet.
Ebenfalls sensorische Ergebnisse wurden im Rahmen des Vortrages „Die Charakterisierung von Grünen Veltliner Varietäten im Weinviertel" von Dr. Erich WALLNER (BA Weinbau, Eisenstadt) vorgestellt. Mittels deskriptiver Analytik konnte er zeigen, dass innerhalb des Weinbaugebietes Weinviertel erkennbare Unterschiede zwischen verschiedenen Herkünften bestehen. Diese regionalspezifischen Unterschiede konnten auch durch gaschromatographische Analysen belegt werden.
Über neue Erkenntnisse zur Böckservermeidung wurde von Dipl.-Ing. Manfred GÖSSINGER (HBLAu.BA Wein- Obstbau, Klosterneuburg) berichtet. Insbesondere konnte er zeigen, dass neben der üblichen Entschleimung (Absetzen u.a.) eine Hochkurzzeiterhitzung des Mostes auf über 80°C, mind. 20 Sekunden lang eine signifikante Verringerung der Böckserhäufigkeit bewirkt. Weiters haben die Ergebnisse seiner Untersuchungen gezeigt, dass die Bestimmungsmethoden für hefeverfügbare Stickstoffverbindungen keinen verlässlichen Rückschluss auf ein mögliches Böckserrisiko zulassen.
Der wichtigen Frage „Wie wird der Grüne Veltliner zum Siegerwein?“ widmete sich HR Dipl.-Ing. Robert STEIDL (HBLA u.BA f. Wein- Obstbau, Klosterneuburg). Anhand der im Salon Österreichischer Wein in den letzten Jahren vertretenen Weine zeigte er einen Trend zu kräftigeren Alkoholgehalten auf. Weniger gut kommen Sämlingstöne und Sauvignon blanc – Aromatik bei Bewertungen an. Auch wenn im Keller viele Wege zum Erfolg führen können, erscheint eine Maischestandzeit von Vorteil.
Die Erfolgsgeschichte der Marke Weinviertel-DAC wurde von Mag. Ulli HAGER (Weinkomitee Weinviertel, Wolkersdorf) dargestellt, wobei besonders die zahlreichen innovativen Aktivitäten im Ausland zur Förderung des Bekanntheitsgrades beeindruckend waren (z.B. Schnitzel-Kochkurs mit Japanern). Darüber hinaus wurden die Zukunftsperspektiven für das Weinviertel DAC beleuchtet, wobei unter anderem auch die neue, „menschlichere“ Werbelinie vorgestellt wurde.
Herr Roman PFAFFL (Weingut Pfaffl, Stetten) berichtete über die gestiegene Nachfrage bei gleichzeitig besseren Preisen für GV im Weinviertel seit der Schaffung der Marke Weinviertel DAC. Die Rückbesinnung auf die Stärken der Region war daher für alle Winzer des Weinviertels von großem Nutzen und hat auch zu einer Verbesserung des Heimatbewußtseins geführt.
In seinem Referat über „Die Eignung verschiedener Verschlüsse für Grünen Veltliner“ fasste Herr Dipl.-Ing. Harald SCHEIBLHOFER (HBLA u.BA Wein- Obstbau, Klosterneuburg) zunächst die Grundsätze für das „richtige“ Befüllen (z.B. Füllhöhe,...) und Verschließen (Einstellungen an den Maschinen,..) zusammen und wies auf mögliche Fehlerquellen besonders bei der Verwendung der „neuen Verschlüssen“ (Schraub- Glasverschluss) hin. Nach derzeitigem Erkenntnisstand ist der Schraubverschluss der „beste“ Verschluss am Markt, wobei aber die Entscheidung welcher Verschluss im Betrieb verwendet wird häufig emotional und weniger wissenschaftlich getroffen wird.
Da am selben Tag europaweit die Novelle der EU-Weinmarktordnung präsentiert wurde, war der Vortrag von Dipl.(HLFL)-Ing. Josef PLEIL (Wolkersdorf) betreffend den darin vorgesehenen Änderungen wirklich „brandaktuell“. Ausführlich berichtete der Präsident des Bundesweinbauverbandes über alle „Knackpunkte“ der vorgeschlagenen Novelle und ließ die Zuhörer erahnen, wie schwierig sich die Verhandlungen in Brüssel gestalten werden.
Einen würdigen Abschluss fand die gelungene Veranstaltung mit der Verkostung von 45 ausgewählten Weinen der Sorte „Grüner Veltliner“ aus verschiedenen Gebieten Österreichs.
Danach fand noch die Generalversammlung des Verbandes Österreichischer Önologen und Weinforscher statt

Foto 1: Die Vortragenden mit der NÖ Winzerkönigin Simone Jordan und den Obmann des Bezirksweinbauvereins Herr Gerhard Walek.

Foto 2: Frau Mag. Ulli Hager vom Regionalen Weinkomitee Weinviertel bei Ihrem Vortrag
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